Dies ist eine Seite aus der Hompage vom Arbeitskreis Familienforschung "Stolper-Lande" unter der

Leitung von Helmut Kunefke. Nähere Informationen unter www.stolp.de

 

 

Auszug aus dem Buch: "Der Landkreis Stolp in Pommern"
Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit - von Karl-Heinz Pagel

82. Krussen, Landkreis Stolp i. Pommern...............................Seite 661

Die Landgemeinde, die südlich von Stolp am Rande des kleinen Urstromtals der Quacke liegt, war ein Bauerndorf. Das Gemeindegebiet umfaßte das Kuhlenmoor, und die Hügellandschaft mit dem Krähen-Berg, dem Moxen-Berg, dem Linden-Berg, dem Sedan-Berg und dem Gatsen-Berg. Der Große Küsse-See und ein Moor bildeten die Grenze zur Nachbargemeinde Groß Silkow im Osten. Die Rummelsburger Chaussee (Reichsstraße 125) führte durch das Dorf hindurch nach Rummelsburg.

Krussen

Einige Angaben über die Gemeinde Krussen aus der Zeit vor 1945 in Kurzform:

Zugehörige Ortsteile: keine
Gemeindefläche in ha .................................................611
Wohnbevölkerung am 17. Mai 1939 ..........................319
Zahl der Haushaltungen ................................................87
Zahl der Wohnhäuser 1925 ..........................................56
Amtsbezirk ...............................................................Lüllemin
Standesamtsbezirk ....................................................Lüllemin
Gendarmeriebezirk ...................................................Quackenburg
Amtsgerichtsbezirk ...................................................Stolp
Gemeindevorsteher 1931 ..........................................Brüggemann
Bürgermeister 1937 ..................................................Landwirt Paul Brüggemann
Nächste Bahnstation .................................................Lahuhn Entfernung 5 km
Bahnlinie ..................................................................Stolp—Budow (Stolpetalbahn)
Poststelle 11 ............................................................Krussen
Letzte postalische Anschrift ......................................Krussen über Stolp (Pom.)

Der historischen Dorfform nach ist Krussen ein kleines Sackgassendorf. Die Dörfer Krussen und Lüllemin wurden nach dem zu Wolgast 1494 ausgefertigten Rechtsspruch des Herzogs Bogislaw der Stadt Stolp zuerkannt, weil sie die Güter damals schon über 30 Jahre besessen hatte.
Acht Bauernstellen hatte Krussen damals. Wenn ein Hof vom Vater auf den Sohn überging oder bei sonstigem Eigentumswechsel erfolgte die lJbergabe stets in Anwesenheit eines Vertreten der Stadt Stolp. Dem Bürgermeister von Stolp mußte er Gehorsam schwören und versprechen, das Vermögen des Hofes zu mehren. Unter den Nöten des Dreißigjährigen Krieges hatte Krussen besonders zu leiden, weil es an der großen Straße nach Rummelsburg lag.

Die Protokolle der Stadt Stolp über die städtischen Eigentumsdörfer aus dem Jahre 1717 enthalten die Eintragung:

Bauern ä ¾ Lh.:
1. Jacob Hancke,
2. Jokim Hancke,
3. Jürgen Krancke,
4. Pagel Krancke,
5. Jürgen Nuthack,
6. Jacob Söhls (Seils),
7. Peter Gatz.

Cossäthen:
1. Jürgen Gatz,
2. Michel Grote,
3. Marten Zülch, Schmied.

Nach Brüggemann gab es um 1784 in Krussen acht Bauern, einen Kossäten, eine Schmiede, einen Schulmeister, einen Holzwärter, insgesamt sechzehn Feuerstellen.
Durch Rezeß vom 22. Februar 1822 wurden die Acker- und Wiesenländereien unter Gewährung freier Weide und Pachtentnahme aus dem Forst an acht Bauern und drei Kossäten in Erbpacht vergeben.
Als der Forst 1873 vollständig abgeholzt wurde, verkaufte die Stadt den Grund und Boden an den Gutsbesitzer von Groß Silkow. Die Erbpächter, die durch die Veräußerung die Pachtentnahme und die Weide verloren, zahlten fortan eine geringere Renten. Die seit 1850 geschaffenen Rentenbanken haben im Laufe des 19. Jahrhunderts die völlige Ablösung der Reallasten und die Auflösung des Verhältnisses zwischen der Stadt und den ehemaligen Kämmereigütern vermittelt.
Aus dem städtischen Eigentumsdorf wurde ein Bauerndorf.


Landwirtschaft in Krussen

Im Jahre 1939 hatte es 53 landwirtschaftliche Betriebe:

18 mit 0,5 bis unter 5 ha
13 mit 5 bis unter 10 ha
12 mit 10 bis unter 20 ha
10 mit 20 bis unter 100 ha

Im letzten Güteradreßbuch sind als Bauernhofbesitzer verzeichnet:
Franz Groth 25,5 ha
Reinhold Neitzel 32,5 ha
Erich Hildebrandt 29,5 ha
Werner Simon 30,5 ha
Hermann Kautz 28,5 ha
Artur Stiewe28,5 ha
Otto Kautz 29,5 ha
Paul Voll 25,5 ha
Otto Loose 28,5 ha

Den größten Viehbestand hatte der Bauer Neitzel: vier Pferde, 18 Stück Rindvieh und 30 Schweine. Der durchschnittliche Grundsteuerreinertrag auf ein Hektar lag mit 7,34 RM über dem Kreisdurchschnitt (5,95 RM).


Wirtschaft, Gewerbe in Krussen

Es gab eine
Zweigniederlassung der Ländlichen Spar- und Darlehnskasse Quackenburg EGmbH,
den Gasthof Fritz Wiedenhöft,
die Schmiede Alfred Herzog und
den Schneider Horst Haase.


Kirche

Alle Dorfbewohner waren evangelisch. Krussen gehörte zum Kirchspiel Quackenburg und damit zum Kirchenkreis Stolp-Stadt.


Schule

In der im Jahre 1932 einstufigen Volksschule
unterrichtete ein Lehrer 54 Schulkinder. Lehrer war zuletzt August Große.


Kriegsende 1945, Okkupation, Annektion und Expulsion aus der Heimat
Russisches Militär und Polen - Herrschaft des Schreckens und der Gewalt
(Okkupation
= Besetzung, Annektion = Einverleibung, Expulsion = Vertreibung)

Am 6. März 1945 rückten die Sowjets mit starken Kräften beiderseits der Reichsstraße 125 auf Stolp zu. Einige deutsche Panzer stellten sich hier dem vordringenden Feind entgegen und es kam zu Kämpfen. An der Abzweigung nach Quackenburg blieb ein großer sowjetischer Panzer abgeschossen auf der Straße liegen. Die Scheune von Albert Kautz, der Gasthof Wiedenhöft, das Wohnhaus Mewes und das Wohnhaus Büttner gingen in Flammen auf. Auch im Verlauf des folgenden Tages wurde den ganzen Tag entlang der Chaussee nach Stolp gekämpft.
Am späten Nachmittag des 6. März hatte Bürgermeister Neubauer den Befehl zur Räumung des Dorfes gegeben, die planmäßig durchgeführt wurde. Der Treck zog über Stolp, Ritzow, Schwerinshöhe (Wendisch Silkow) nach Karzin. Dort wurde er von den Russen überrollt, die drei Dorfbewohner niederschossen. Etwa 20 Dorfbewohnern gelang die Flucht nach Dänemark. Die übrigen kehrten in ihr Heimatdorf zurück. Im Frühjahr 1946 räumten die Russen den Ort. Es drangen Polen in das Dorf ein und besetzten die Höfe. Die gesamte Dorfbevölkerung wurde vertrieben. Die Heimatortskartei Pommern hat später 177 Dorfbewohner in der Bundesrepublik Deutschland und 55 in der DDR ermittelt. Aus dem deutschen Bauerndorf Krussen wurde das polnische Kruszyna.

Kriegs- und Vertreibungsverluste: 17 Gefallene, 27 Ziviltote und 40 Vermißte (,‚ungeklärte Fälle“).


Literatur
Das Dorf Krussen im „Stolpschen Eigentum“. Ein familiengeschichtlicher Beitrag. In: Ostpommersche
Heimat 1939, Nr. 18—19
Laudan, Geschichte des Grundbesitzes der Stadt Stolp, S. 8, 29—30
Ost-Dok. 1 Nr. 123, pag. 313—314